Zwischen Selbstmitleid und Salsa
Fritz Pickelfresse hat es nicht leicht.
Wer ihm begegnet, erkennt sofort, woher sein Name stammt. Seine Haut ist von unzähligen Pickeln übersät, sodass er beinahe selbst wie ein riesiger Pickel wirkt.
Und Fritz leidet darunter.
Sehr sogar.
Das Tragische daran ist, dass Fritz kein junger Illuwillu mehr ist. Während viele Wesen Hautprobleme mit der Jugend verbinden, traf es ihn erst im Erwachsenenalter. Im Illuversum kennt man dieses Phänomen durchaus: Im Zuge hormoneller Veränderungen, die einer männlichen Form der Menopause ähneln, gerät bei manchen Illuwillus das innere Gleichgewicht durcheinander.
Fritz gehört leider dazu.
Und er erzählt es auch jedem.
Wirklich jedem.
Kaum sitzt man neben ihm, erfährt man von seinen Pickeln, den roten Stellen, den Entzündungen und den Ungerechtigkeiten seines Schicksals. Fritz jammert mit einer Ausdauer, die beinahe bewundernswert ist.
Eine Lösung lehnt er allerdings entschieden ab.
Denn obwohl viele Illuwillus ihm geraten haben, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, weigert sich Fritz hartnäckig. Für ihn sind Ärztinnen und Ärzte nichts weiter als Quacksalber, die ohnehin nicht helfen können.
Diese Überzeugung sitzt tief.
Vielleicht sogar tiefer als seine Pickel.
Dabei ist Fritz keineswegs einfältig.
Ganz im Gegenteil.
Beruflich arbeitet er als Mechaniker und gilt als ausgesprochen geschickt. Maschinen versteht er intuitiv, Probleme analysiert er mit beeindruckender Präzision und für nahezu jedes technische Problem findet er eine praktikable Lösung.
Nur bei den eigenen Schwierigkeiten scheint ihm diese Fähigkeit gelegentlich abhandenzukommen.
Abends zeigt sich dann eine völlig andere Seite seines Wesens.
Denn Fritz betreibt eine Salsa-Flamenco-Bar, in der getanzt, gelacht und gefeiert wird. Dort liebt er die Musik, die Energie und die Begegnungen mit anderen Illuwillus.
Gleichzeitig wird ihm gerade in diesem Umfeld seine Unsicherheit besonders bewusst.
Während andere unbeschwert das Tanzbein schwingen, sorgt sich Fritz um seine Haut. Er beobachtet die Blicke anderer, deutet harmlose Gesten als Ablehnung und fühlt sich oft unwohler, als es seine Umgebung tatsächlich wahrnimmt.
Vielleicht liegt genau darin die Tragik seiner Geschichte.
Denn Fritz besitzt viele Talente.
Er ist klug.
Handwerklich begabt.
Unternehmerisch erfolgreich.
Und dennoch gelingt es ihm kaum, über jene Pickel hinauszublicken, die für ihn längst zum Mittelpunkt seiner eigenen Wahrnehmung geworden sind.
Zwischen Unsicherheit, Sturheit und typischem Illuwillu
Fritz Pickelfresse steht für die Erfahrung, sich über eine vermeintliche Schwäche zu definieren und dadurch die eigenen Stärken aus dem Blick zu verlieren.
Seine Geschichte zeigt, dass Leid ernst genommen werden sollte, dass Veränderung jedoch häufig erst dann möglich wird, wenn die Bereitschaft entsteht, Hilfe auch anzunehmen.
Wenn das eigene Spiegelbild zur Belastung wird
Fritz Pickelfresse zeigt einen Illuwillu, der zwischen Selbstmitleid und Lebensfreude hin- und hergerissen ist.
Empfindsam. Stur. Und deutlich mehr als nur seine Pickel.