Georg Kippes
Das Illuversum und die Welt der Illuwillus
Mal beginnt es leise, mal roh und laut.
Seit ich denken kann, beobachte ich die Welt. Nicht nur das Offensichtliche, sondern auch das, was dazwischen liegt. Die kleinen Widersprüche, die Eigenheiten, die Sehnsüchte, die Absurditäten und jene Dinge, über die wir lachen, obwohl sie manchmal gar nicht lustig sind.
Vielleicht begann genau dort das Illuversum.
Nicht als Projekt, nicht als Plan und auch nicht als Marke. Vielmehr entstand über viele Jahre hinweg eine Sammlung von Gedanken, Beobachtungen und Figuren, die ihren Weg aufs Papier fanden und sich nach und nach zu einer eigenen Welt entwickelten.
Seit mehr als zwanzig Jahren begleitet mich diese Welt. Aus einzelnen Zeichnungen wurden Serien, aus Figuren wurden Persönlichkeiten und aus Ideen schließlich Skulpturen. Dadurch entstand langsam ein Universum, bevölkert von Illuwillus, die manchmal laut sind, manchmal verletzlich, manchmal absurd und gleichzeitig erstaunlich nah an dem, was wir von uns selbst kennen.
Dabei sind die Illuwillus weder Helden noch Vorbilder.
Sie sind Beobachtungen.
Sie erzählen von Leidenschaft und Unsicherheit, von Übermut und Scheitern, von Eitelkeit und Verletzlichkeit. Gleichzeitig zeigen sie jene kleinen und großen Eigenheiten, die das Leben so widersprüchlich und interessant machen. Dabei urteilen sie nicht und liefern keine fertigen Antworten.
Vielmehr laden sie dazu ein, genauer hinzusehen.
Viele Werke wirken auf den ersten Blick humorvoll oder verspielt. Dennoch beschäftigen sie sich mit Themen, die tiefer reichen. Es geht um Konsum und Sehnsucht, um Liebe und Angst, um Hoffnung, Überforderung und die oft widersprüchliche Suche nach dem eigenen Platz in der Welt.
Die Freude, Dinge entstehen zu lassen
Mein Beruf als Grafiker gab mir die Werkzeuge für Zeichnung, Illustration und Gestaltung. Gleichzeitig ermöglichte mir das Handwerk später, viele Illuwillus auch als Skulpturen in die reale Welt zu holen. Doch weder das eine noch das andere erschuf das Illuversum.
Beides half lediglich dabei, ihm eine Form zu geben.
Was mich antreibt, ist bis heute dieselbe Neugier, die mich schon immer begleitet hat. Die Freude daran, etwas entstehen zu lassen. Eine Idee, die zunächst nur als Gedanke existiert. Eine Beobachtung, die langsam Gestalt annimmt. Ein Illuwillu, das plötzlich beginnt, seine eigene Geschichte zu erzählen.
Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob daraus eine Zeichnung, eine Skulptur, ein Möbelstück, ein Garten oder ein Menü entsteht. Mich fasziniert nicht nur das Ergebnis, sondern vor allem der Weg dorthin. Das Lernen, das Verstehen, das Verbessern und jener Moment, in dem aus etwas Unsichtbarem etwas Eigenständiges wird.
Genau deshalb ist das Illuversum für mich kein abgeschlossenes Kunstprojekt.
Es wächst mit jeder Zeichnung, mit jeder Skulptur und mit jeder neuen Beobachtung weiter. Während manche Werke Antworten suchen, stellen andere neue Fragen. Dadurch bleibt das Illuversum in Bewegung und entwickelt sich ständig weiter.
Und vermutlich wird es niemals fertig sein.