Gefangen im Vergleich
Die schiache Veronika ist eine Figur, die auf den ersten Blick ein schwieriges Thema berührt.
Denn Veronika entspricht nicht dem, was viele Illuwillus als schön bezeichnen würden. Sie besitzt keine Missbildung, nichts Außergewöhnliches und keine tragische Geschichte. Sie wurde einfach nicht als klassische Schönheit erschaffen.
Das ist bedauerlich.
Aber nicht ihr eigentliches Problem.
Denn die schiache Veronika leidet nicht daran, dass sie nicht schön ist. Sie leidet darunter, dass sie ihr eigenes Glück ständig mit dem der anderen vergleicht.
Während manche Illuwillus ihre Stärken entdecken, ihre Talente entwickeln oder sich mit ihren Eigenheiten arrangieren, richtet Veronika ihren Blick fast ausschließlich auf das, was andere besitzen und sie selbst nicht hat. Schönheit, Erfolg, Beliebtheit, Fähigkeiten oder Anerkennung wirken auf sie weniger wie Inspiration und mehr wie persönliche Kränkungen.
Dadurch wächst etwas in ihr, das mit der Zeit immer mehr Raum einnimmt.
Neid.
Und aus Neid wird Bitterkeit.
Veronika ist durchaus gebildet und keineswegs unintelligent. Trotzdem fehlt ihr die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Statt sich zu fragen, weshalb sie so unzufrieden ist, sucht sie die Ursache fast immer bei anderen. Die erfolgreichen Illuwillus sind arrogant. Die talentierten haben bloß Glück gehabt. Die freundlichen seien ohnehin nur Fassade.
Irgendetwas stimmt immer nicht.
Mit den anderen.
Nie mit ihr selbst.
Dadurch wird jede Begegnung anstrengend. Veronika wirkt oft angriffig, abwertend und ständig bereit, die Leistungen anderer kleinzureden. Lob fällt ihr schwer, Anerkennung noch schwerer.
Besonders unangenehm wird es, wenn sie auf Illuwillus trifft, die nicht nur viele Fähigkeiten besitzen, sondern gleichzeitig freundlich, beliebt und hilfsbereit sind.
Solche Wesen kann sie kaum ertragen.
Denn sie erinnern sie an alles, was ihr selbst zu fehlen scheint.
Vielleicht liegt genau darin die Tragik der Figur.
Veronikas größter Makel ist nicht ihr Äußeres.
Ihr größter Makel ist die Überzeugung, dass alle anderen schuld an ihrer eigenen Unzufriedenheit seien.
Selbst ihre Familie scheint von einer ähnlichen Haltung geprägt zu sein. Warum das so ist, weiß niemand genau. Vielleicht verstärken sie sich gegenseitig. Vielleicht sehen sie die Welt einfach durch dieselbe graue Brille.
Sicher ist nur:
Die schiache Veronika gehört zu jenen Charakteren, neben denen man nicht einmal besonders gerne wohnen möchte.
Zwischen Neid, Bitterkeit und typischem Illuwillu
Die schiache Veronika steht für die Gefahr, das eigene Leben ausschließlich durch Vergleiche mit anderen zu bewerten.
Ihre Geschichte zeigt, wie aus Unsicherheit Neid und aus Neid Verbitterung entstehen kann.
Wenn andere immer schuld sind
Die schiache Veronika zeigt eine Figur, die ihre Aufmerksamkeit ständig auf die Vorzüge anderer richtet und dabei die eigenen Möglichkeiten übersieht.
Gebildet. Unzufrieden. Und gefangen in ihrem Vergleich mit der Welt.